Kaufen und Verkaufen

So prüfst du ein gebrauchtes Smartphone vor dem Kauf

Du hältst ein gebrauchtes Smartphone in der Hand, das sauber aussieht. Das Display leuchtet hell, der Verkäufer wirkt ganz normal und der Preis ist gerade niedrig genug, um wie ein gutes Angebot zu wirken. Genau in diesem Moment hören viele mit dem Prüfen auf und beginnen, sich den Kauf schönzureden.

Tu das nicht.

Ein gebrauchtes Android-Smartphone kann einen schwachen Akku, eine gesperrte IMEI, ein ausgetauschtes Display mit schlechter Touch-Erkennung, einen Wasserschaden, einen defekten Ladeanschluss oder Software kurz vor dem Supportende verbergen. Auf den Fotos im Inserat siehst du davon oft nichts.

Bevor du dich mit dem Verkäufer triffst

Bitte vor der Anfahrt um die IMEI. Meist lässt sie sich mit *#06# anzeigen. Der Verkäufer sollte sie aber auch auf der Verpackung, in den Einstellungen oder am Gerät finden können. Vergleiche die Nummer auf dem Smartphone mit der Verpackung und möglichst auch mit dem Kaufbeleg. Für Deutschland lässt sich keine allgemein zugängliche, offizielle und netzübergreifende IMEI-Sperrlistenabfrage für Verbraucher als direkte Entsprechung bestätigen. US-Dienste wie der IMEI-Checker von Swappa oder der Stolen Phone Checker der CTIA beziehen sich auf den US-Markt und sind kein verlässlicher Ersatz für eine Prüfung in Deutschland.

Eine gesperrte IMEI ist kein kleines Problem. Sie kann bedeuten, dass das Smartphone als verloren oder gestohlen gemeldet wurde oder dass ein Problem mit einem Mobilfunkanbieter die Aktivierung verhindert. Über WLAN kann es trotzdem funktionieren, weshalb der Betrug bei einer kurzen Prüfung leicht unbemerkt bleibt. Lass dir einen Kaufbeleg zeigen, gleiche die Daten ab und teste das Gerät nach Möglichkeit mit deiner eigenen SIM-Karte.

Prüfe danach den verbleibenden Software-Support. Google versorgt Pixel 8 und neuere Modelle sieben Jahre lang mit Betriebssystem- und Sicherheitsupdates, gerechnet ab der ersten Verfügbarkeit im Google Store in den USA. Pixel 6, Pixel 7, Pixel 7a und Pixel Fold erhalten fünf Jahre Updates. Samsung bietet für ausgewählte Galaxy-Geräte inzwischen bis zu sieben Jahre Sicherheitsupdates, ältere und günstigere Modelle haben jedoch kürzere Zeiträume. Suche immer nach dem genauen Modell, nicht nur nach der Marke.

Sieh dir außerdem echte Verkaufspreise an. Abgeschlossene Verkäufe sind aussagekräftiger als Angebotspreise. Auf Kleinanzeigen kann jemand für jedes Smartphone 500 € verlangen. Entscheidend ist, zu welchem Preis vergleichbare Geräte tatsächlich verkauft werden. Beendete eBay-Angebote sowie aktuelle Ankaufspreise deutscher Händler und Ankaufportale liefern dafür bessere Anhaltspunkte.

Nimm ein USB-C-Kabel, eine Powerbank, deine SIM-Karte und kabelgebundene Kopfhörer mit, falls das Smartphone einen Kopfhöreranschluss hat. Nutzt du nur eSIM, solltest du trotzdem eine Möglichkeit haben, den Mobilfunk zu testen. Andernfalls musst du dir darüber im Klaren sein, dass du ein zusätzliches Risiko eingehst.

Äußere Prüfung

Nimm die Hülle ab. Hüllen verbergen verbogene Rahmen, gerissene Ecken, ein abstehendes Display und Spuren früherer Reparaturen.

Fahre mit dem Finger am Rahmen entlang. Nach einem harten Sturz kann sich ein Smartphone uneben anfühlen oder auf einer flachen Oberfläche wackeln. Kleine Gebrauchsspuren sind normal. Spalten zwischen Display und Rahmen sind es nicht. Eine angehobene oder gewölbte Rückseite kann auf einen aufgeblähten Akku oder eine schlecht ausgeführte Reparatur hindeuten.

Leuchte in den Ladeanschluss. Flusen aus der Hosentasche sind häufig und lassen sich meist entfernen. Korrosion, verbogene Kontakte oder ein lockerer Anschluss sind deutlich problematischer. Stecke das Kabel ein und bewege es vorsichtig. Der Ladevorgang darf dabei nicht ständig abbrechen.

Prüfe Feuchtigkeitsindikatoren, wenn sie beim jeweiligen Modell sichtbar sind. Bei vielen Samsung-Smartphones befindet sich im Bereich des SIM-Schachts ein Flüssigkeitsschadenindikator, der sich nach Feuchtigkeitskontakt rosa oder rot verfärbt. Bei anderen Geräten liegt er tiefer im Gehäuse. Ein ausgelöster Indikator beweist nicht, dass das Smartphone defekt ist, erhöht aber das Risiko erheblich.

Display testen

Ein Display kann auf dem Startbildschirm einwandfrei aussehen und trotzdem beschädigt sein.

Öffne ein weißes Bild oder richte die Kamera auf eine weiße Wand. Suche nach dunklen Stellen, Farbflecken, Gelbstich oder ungleichmäßiger Helligkeit. Prüfe anschließend mit einem schwarzen Bild, ob einzelne Pixel dauerhaft leuchten. Testbilder in Rot, Grün, Blau, Weiß, Schwarz und Grau sind zuverlässiger als ein Blick auf das Hintergrundbild.

Bei AMOLED-Displays erkennst du Einbrenneffekte am besten auf einer gleichmäßig grauen Fläche bei mittlerer Helligkeit. Schwache Schatten der Statusleiste sind bei einem älteren Gerät nicht ungewöhnlich. Deutlich sichtbare Navigationssymbole, TikTok-Steuerelemente, Tastaturumrisse oder andere App-Spuren sollten den Preis jedoch senken.

Die Touch-Erkennung ist wichtiger, als viele denken. Öffne eine Zeichen- oder Notiz-App und ziehe langsam Linien über das gesamte Display, besonders entlang der Ränder. Bricht die Linie ab, springt sie oder bleibt ein Streifen unerkannt, wird dich das Problem wahrscheinlich jeden Tag stören.

Akku prüfen

Akkuverschleiß ist eines der häufigsten Probleme bei gebrauchten Smartphones. In einem kurzen Treffen lässt er sich außerdem schwer zuverlässig beurteilen.

Öffne auf einem Samsung Galaxy die App Samsung Members, tippe auf Support und starte die Telefondiagnose. Führe je nach App-Version den Test für den Akkustatus oder alle Tests aus. Die Bezeichnungen können sich nach Region und App-Version unterscheiden, Samsung Members ist aber der offizielle Ausgangspunkt für die Diagnose.

Bei Pixel 8a und neueren Modellen findest du den Status unter Einstellungen > Akku > Akkuzustand. Die Zahl der Ladezyklen und weitere Akkuinformationen stehen unter Einstellungen > Über das Telefon > Akkuinformationen. Ältere Pixel zeigen diese Angaben nicht durchgehend an, auch nicht mit Android 17.

Bei anderen Android-Smartphones hängt die Anzeige des Akkuzustands vom Hersteller ab. Xiaomi- und HyperOS-Geräte können entsprechende Angaben in den Akkueinstellungen oder in einem Gerätetestmenü zeigen, die Verfügbarkeit unterscheidet sich aber je nach Modell und Region. Der Wählcode *#*#4636#*#* öffnet auf manchen Geräten ein Testmenü mit Akkuinformationen. Häufig passiert auch gar nichts.

Beobachte während der Prüfung den Akkustand. Ein Rückgang von 100 % auf 94 % in zehn Minuten intensiver Tests ist bei hoher Helligkeit nicht automatisch ein Todesurteil. Verliert das Smartphone in kurzer Zeit 10 % oder mehr, ist das jedoch ein deutliches Warnsignal. Achte auch auf die Temperatur. Nach einem kurzen Kameratest darf das Gerät warm werden. Wird es schon beim Öffnen der Einstellungen heiß, stimmt etwas nicht.

Apps wie runcheck können während des Treffens einen schnellen Überblick über Akku, Temperatur, Netzwerk und Speicher geben. AccuBattery eignet sich für diesen Moment weniger, weil die Kapazitätsschätzung erst mit genügend Ladehistorie aussagekräftig wird.

Hardwarefunktionen testen

Prüfe alles, dessen Defekt dich am nächsten Tag ärgern würde.

Lautsprecher und Hörmuschel

Spiele Ton über den Lautsprecher bei mittlerer und hoher Lautstärke ab. Achte auf Summen, Kratzen oder Verzerrungen. Führe anschließend einen Anruf durch oder spiele eine Sprachaufnahme über die Hörmuschel ab. Wasserschäden machen sich oft zuerst durch schlechten Klang bemerkbar.

Mikrofone

Nimm bei normaler Sprechlautstärke eine kurze Sprachnotiz auf und spiele sie ab. Nimm danach ein Video auf und sprich erneut, denn Smartphones verwenden für Videos und Anrufe häufig unterschiedliche Mikrofone. Klingt die Aufnahme schon in einem ruhigen Raum dumpf, wird sie später nicht plötzlich besser.

Kameras

Wechsle zwischen allen Kameras: Hauptkamera, Ultraweitwinkel, Teleobjektiv, Makrokamera, falls vorhanden, und Frontkamera. Mache Fotos und ein kurzes Video. Tippe zum Fokussieren auf nahe und weit entfernte Motive. Achte auf Schleier, ständiges Nachfokussieren, unruhige Stabilisierung, schwarze Flecken oder eine Kamera, zu der das Gerät nicht wechseln kann.

Tasten und Biometrie

Ein-/Aus- und Lautstärketasten sollten sauber klicken und beim ersten Drücken reagieren. Richte einen Fingerabdruck ein, wenn der Verkäufer es erlaubt, und entsperre das Smartphone mehrmals. Sensoren unter dem Display funktionieren nach einem billigen Displaytausch manchmal unzuverlässig.

WLAN, Mobilfunk, Bluetooth und GPS

Verbinde das Smartphone mit WLAN und öffne eine Webseite. Lege deine SIM-Karte ein und teste nach Möglichkeit Anrufe und mobile Daten. Kopple Bluetooth-Kopfhörer, wenn du welche dabeihast. Öffne eine Karten-App und prüfe, ob das Smartphone seinen Standort innerhalb von etwa 30 Sekunden findet.

Software prüfen

Öffne die Einstellungen und kontrolliere unter den Geräteinformationen Modellnummer, Android-Version und Stand des Sicherheitsupdates. Google verweist für Android-Version und Sicherheitsstatus auf Einstellungen > Über das Telefon oder Über das Tablet > Android-Version. Hersteller können einzelne Bezeichnungen und Positionen jedoch leicht verändern.

Ein Sicherheitsupdate, das 18 Monate alt ist, ist ein schlechtes Zeichen. Der Verkäufer könnte Updates ignoriert haben, der Software-Support kann beendet sein oder das Gerät hängt auf einer alten Mobilfunkanbieter-Version fest. Dass Android 17 für Pixel-Geräte verfügbar ist, bedeutet nicht, dass jedes Android-Smartphone es bereits haben müsste. Bei Samsung, OnePlus, Xiaomi, Motorola und anderen hängt der Zeitplan von Modell und Region ab.

Prüfe den Speicher. Ein Smartphone mit 128 GB, von denen 115 GB belegt sind, kann noch funktionieren, hat aber kaum Platz für Updates, Fotos, Zwischenspeicher und App-Daten. Dadurch kann es sich älter anfühlen, als es ist.

Achte auf den Einrichtungszustand. Ein korrekt vorbereitetes Smartphone sollte auf die Werkseinstellungen zurückgesetzt sein und auf deine Anmeldung warten. Ist das Google-Konto des Verkäufers noch vorhanden, soll er es vor deinen Augen entfernen und das Gerät anschließend zurücksetzen. Nimm kein Smartphone mit, bei dem die Factory Reset Protection (FRP) die Einrichtung blockieren könnte.

Preis und Verhandlung

Bewerte nicht jeden Mangel gleich.

Ein zerkratzter Rahmen ist kosmetisch. Ein schwacher Akku verursacht überschaubare Reparaturkosten. Ein unzuverlässiger Ladeanschluss nervt jeden Tag. Eine gesperrte IMEI ist ein Ausschlusskriterium. Ein Smartphone ohne verbleibende Sicherheitsupdates kann billig sein, eignet sich aber langfristig schlecht für Banking, Arbeits-Apps oder andere sensible Anwendungen.

Ein Akkuzustand unter 80 % sollte den Preis beeinflussen, weil ein Austausch absehbar ist. Ein Gerät mit 82 % Akkuzustand, unauffälligem IMEI-Status, gutem Display und zwei Jahren verbleibendem Software-Support kann mit einem passenden Preis trotzdem ein guter Kauf sein. Ein Smartphone mit schwachem Akku, gerissener Rückseite, altem Sicherheitsupdate und verdächtigem Verkäuferverhalten ist kein Schnäppchen. Es ist zusätzliche Arbeit.

Kaufst du bei einem gewerblichen Händler in Deutschland, gelten gesetzliche Mängelrechte. Bei gebrauchter Ware kann die Frist vertraglich auf mindestens ein Jahr verkürzt werden, sie verschwindet aber nicht einfach. Bei einem Privatverkauf kann die Gewährleistung wirksam ausgeschlossen werden. Deshalb sind ein genauer Zustandsbericht, nachvollziehbare Angaben und ein Kaufbeleg besonders wichtig. Eine freiwillige Garantie ist davon getrennt und ersetzt die gesetzliche Gewährleistung nicht.

Plane für die Prüfung 20 bis 30 Minuten ein. Ein guter Verkäufer wartet vielleicht nicht begeistert, wird eine vernünftige Kontrolle aber verstehen. Drängt er dich, verschweigt die IMEI, verweigert einfache Tests oder lässt dich die Hülle nicht abnehmen, geh weiter.

Es gibt immer noch andere gebrauchte Smartphones.

Meta-Beschreibung: Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Prüfen eines gebrauchten Android-Smartphones vor dem Kauf, einschließlich IMEI, Akkuzustand, Display, Hardware, Software-Support und Preisverhandlung.

Quellen

  1. Google Pixel Help: Repair your own Pixel device
  2. Samsung: How to use diagnostics in the Samsung Members app
  3. Google Pixel Help: Understand your Pixel battery

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